Präsentation des „Virtuellen Museums der Schwarzmeerdeutschen“: Grußwort von Dr. Petra Loibl

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Präsentation des „Virtuellen Museums der Schwarzmeerdeutschen“: Grußwort von Dr. Petra Loibl

Videobotschaft der Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, Dr. Petra Loibl, MdL, anlässlich der Präsentation des „Virtuellen Museums der Schwarzmeerdeutschen“ und der feierlichen Eröffnung einer Fotoausstellung zum architektonischen Erbe der Deutschen in der Ukraine durch den Rat der Deutschen in der Ukraine und das HDO, München, 28. Oktober 2025.

Vor wenigen Tagen ist ein neues Buch erschienen. Geschrieben hat es Prof. Dr. Martin Schulze Wessel, der hier gleichsam um die Ecke das Collegium Carolinum leitet. Wie Sie alle wissen, befasst er sich aber nicht nur mit den Böhmischen Ländern oder Polen, sondern genauso auch mit der Ukraine. Davon handelt auch sein Buch. Es trägt den bezeichnenden Titel „Die übersehene Nation“.

Kein anderer Titel fasst treffender zusammen, wie wir in Deutschland jahrzehntelang mit der Ukraine umgegangen sind. In den Augen von Kanzlern wie Helmut Schmidt und Gerhard Schröder war die Ukraine nichts wirklich Eigenes, sondern bestenfalls ein Anhängsel Russlands. Sie und viele andere haben immer nur nach Moskau geblickt und die Ukraine und ihre Menschen schlichtweg ignoriert. Heute zeigt sich, wohin derartige Ignoranz führt.

Denn die Ukraine verteidigt nicht mehr und nicht weniger als die Freiheit Europas. Sie ist die Hoffnung aller, die möchten, dass der Westen, dass Europa frei und einig bleiben, und sich nicht fremden Mächten beugen müssen. Gerade für unsere Nachbarn und Freunde im östlichen Europa, aber auch für die Länder Skandinaviens und am Schwarzen Meer ist „nie wieder jetzt“. Sie wollen weiter in Frieden und Freiheit über sich selbst bestimmen.    

Sie eröffnen heute die Ausstellung „Das architektonische Erbe der Deutschen in der Ukraine“. Außerdem präsentieren Sie das virtuelle Museum der Schwarzmeerdeutschen. Vor wenigen Jahren noch wäre das wahrscheinlich kaum ein Thema gewesen. Damals sprach man von allen Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion unterschiedslos von Russlanddeutschen, ganz egal ob Sie aus Kasachstan, Kirgisien oder der Ukraine kamen.  

Mit der Ukraine selbst werden auch die Deutschen aus der Ukraine endlich als etwas Eigenes, Eigenständiges sichtbar. Denn die Deutschen aus Transkarpatien und Wolhynien, aus Odessa und vom Schwarzen Meer hatten ihre ganz eigene Geschichte, ihre eigene Kultur, die in vielerlei Hinsicht anders war als die der Landsleute von der Wolga, aus dem Kaukasus oder anderen Teilen des Zarenreichs und der untergegangenen UdSSR.

Mit Ihrer Fotoausstellung würdigen Sie das Eigene, das Besondere, das die Architektur der Ukrainedeutschen, ihre Wohnhäuser, Kirchen und repräsentativen Gebäude auszeichnet. Sie eröffnen uns eine Welt, die es sich anzuschauen und zu erleben, über die es genauer nachzudenken lohnt. Ich wäre sehr gerne mit Ihnen in diese Welt eingetaucht, werde das aber gewiss nachholen.

Genauso freue ich mich aber auch auf das virtuelle Museum der Schwarzmeerdeutschen. Es ist großartig, künftig von jedem Ort aus und jederzeit Zugang zu Lebenswelt, Geschichte und Kultur, zu Traditionen und Bräuchen der Schwarzmeerdeutschen zu haben. Das eröffnet gerade auch jüngeren Leuten, die in der heutigen Zeit nur schwerlich in die Heimat ihrer Vorfahren reisen können, Einblick in das Land, in dem ihre Wurzeln liegen.

Aber nicht nur für Schwarzmeerdeutsche ist dieses Museum ein großer Gewinn, sondern für uns alle. Denn es zeigt in seiner virtuellen Ausstellung nicht nur, wie vielfältig und reich das Leben Ihrer Landsleute in der Vergangenheit war, sondern dass es das immer noch ist. Ich bin stolz auf die Deutschen in der Ukraine und auch darauf, dass die Karpatendeutschen Landsmannschaft Ukraine ihren Hauptsitz bei uns im Freistaat Bayern hat.

Es ist wirklich schade, dass ich heute nicht bei Ihnen sein kann. Aber ich bin nur einen knappen Kilometer von Ihnen entfernt, und darf Sie von der ersten Wertebündnissitzung im Bayerischen Landtag und auch von unserer Landtagspräsidentin Ilse Aigner grüßen. Die heutige Sitzung des Wertebündnisses Bayern steht unter dem Motto „Freiheit!“. Passender könnte die Verbindung zwischen beiden Veranstaltungen, bei Ihnen im Haus des Deutschen Ostens und hier im Landtag, wahrlich nicht sein.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

29 Oktober 2025
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