Präsidentin der UDGV Alla Paslawska zur Situation des Deutschunterrichts in der Ukraine

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Im Rahmen der Internationalen Deutschlehrertagung (IDT) in Lübeck äußerte sich die Präsidentin des Ukrainischen Deutschlehrer- und Germanistenverbandes, Professorin Dr. Alla Paslawska, zur Situation des Deutschunterrichts in der Ukraine. 

Die Frage über die Zukunft der deutschen Sprache in der Ukraine beschäftigt mich ständig, weil ich zurzeit den Ukrainischen Deutschlehrer- und Germanistenverband leite. Und ich würde 2 Gruppen von Problemen aussondern.

Grundsätzlich — also das sind Probleme, die infolge des Krieges, des Krieges Russlands gegen die Ukraine entstanden sind, dass der Unterricht global, also grundsätzlich, erschwert ist dadurch, dass der Luftalarm immer wieder kommt und man muss dann den Unterricht unterbrechen. Im Osten ist es noch viel schlimmer, weil sie die Universitäten, praktisch die Schulen, meistens online Unterricht erteilen. Und der Online Unterricht ist natürlich gut, dass es solche Möglichkeiten überhaupt gibt. Aber das ist kein Vergleich zum offline Unterricht, — die jungen Leute, die leiden darunter und wir merken, dass sie sich sogar anders verhalten, dass sie also praktisch isoliert sind teilweise.

Auf diese Probleme infolge des Krieges, also auf die werde ich jetzt nicht eingehen, weil sie global sind. Und man kann nur hoffen, dass der Krieg eben bald zu Ende ist und dass wir in unsere Realität, Normalität, zurückkehren. 

Und jetzt also Probleme, die mit dem Krieg nichts zu tun haben, dass Deutsch, die Zahl von Deutschlernenden in der Ukraine ständig schrumpft, vor allem von denjenigen, die Deutsch als erste Fremdsprache studieren oder in der Schule lernen. 

Und das ist sehr schade, denn wir haben sehr reiche Traditionen der deutschen Sprache in der Ukraine, also die deutschen Kolonisten, die deutsche Minderheit in der Ukraine, das ist für uns unheimlich wichtig, dass wir diese Tradition auch bewahren. 

Und wenn die Zahl der Deutschlernenden schrumpft, dann bedeutet das automatisch, dass es weniger Studierende gibt. Also bei Fremdsprachenfakultäten geht das noch, aber zum Beispiel bei Chemikern, Physikern, wenn 3 Leute Deutsch weiter studieren möchten, gibt es keine Möglichkeit, weil die Gruppe mindestens 25 Leute enthalten soll. 

Das heißt, der Ausweg wäre zum Beispiel, dass man fakultätenübergreifend irgendwelche Gruppen bildet. Dazu braucht man Lust, dazu braucht man irgendwie auch das Entgegenkommen der Universität und natürlich auch die Finanzierung, dass extra Lehrkräfte dafür bezahlt werden. 

Man kann nur begrüßen, dass in unserem Staat ein Sprachgesetz, Englischgesetz, verabschieden worden ist. Aber leider also bedeutet das für die anderen Fremdsprachen, vor allem die deutsche, französische, spanische Sprache, die man traditionell in der Ukraine in der Schule, an den Universitäten gelernt hat, dass sie dadurch auch vernachlässigt werden. Zum Beispiel die Mediziner, die müssen nur Englisch, also irgendwann ablegen, jeder muss Englisch lernen, aber nicht jeder muss, ja gut, also nicht jeder kann sogar eine zweite Fremdsprache lernen. 

Und ich glaube, es wäre die höchste Zeit für solch ein Land wie die Ukraine, die heutzutage Kontakte und Unterstützung überall in der Welt braucht, dass man die zweite Fremdsprache obligatorisch ab bestimmte Klasse an den Schulen einführt. 

Und die deutsche Sprache, die muss unterstützt werden, wenn wir an die Zukunft denken… Wenn der Krieg zu Ende ist, dann werden vor allem die Ingenieure, Bauleute und alle möglichen Unterstützungen vor allem aus Deutschland kommen. Und wir werden dann Dolmetscher brauchen, Übersetzer brauchen, denn nicht jeder in Deutschland spricht perfekt Englisch. Man wird dann auch Fachleute brauchen, die Deutsch können, aber es wird immer weniger, immer weniger. Und wenn wir jetzt also den Prozess unterbrechen, dann werden wir Jahrzehnte brauchen, um das wiederherzustellen.

8 Oktober 2025
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